Der 1. Preis

Farbdruck des Künstlers Roger Roitenstern, der eine Metamorphose der Brezel zum Stern in sechs Schritten darstellt.

Diese Grafik, eine gerahmter Farbdruck des Künstlers Roger Roitenstern, der eine Metamorphose der Brezel zum Stern in sechs Schritten darstellt war 2007 der 1.Preis für "Gutes Deutsch" in einem Wettbewerb des VdS Verein deutscher Sprache, Region 77.

Das Kunstwerk ist inzwischen zu einem Symbol geworden. Es mahnt zur Zielsetzung, in der Wirtschaft den Wurzeln, der Tradition, dem Standort und den Werten (Symbol „Brezel“) verbunden zu bleiben auf dem Weg in die Zukunft, in die moderne, globale Welt und bei der Begegnung mit anderen Kulturen (Symbol „Stern“).

Das Werk ist nicht nur wegen seiner Symbolik, sondern auch wegen seiner Ausdruckskraft und Schönheit der Farben zu einem hochgeschätzten Sammlerobjekt in den Chefetagen der Wirtschaft geworden. Es ist inzwischen national und international begehrt und geschätzt, um neue Partnerschaften im Geschäftsleben zu besiegeln und bestehenden Partnerschaften zu bekräftigen. Es signalisiert, wie wichtig es ist, die Identität zu wahren, wenn Zusammenarbeit gelingen soll. Die Kommunikation ist gefordert, die notwendigen und tragfähigen Brücken zu bauen, Das sind Herausforderungen an die jeweils eingesetzte Sprache, nicht nur der deutschen, sondern jeder Sprache dieser Welt.

 



Die Verwandlung der Brezel
Der Künstler Roger Roitenstern presst das schwäbische Kultgebäck in neue Formen

„Ich habe
das Paradies
entdeckt“
Roger Roitenstern
Brezel-Künstler
Der Mann ist im Auftrag der Brezel unterwegs.
Der gebürtige Franzose Roger Roitenstern
verkündet die Vielfalt des
schwäbischen Kultgebäcks wie kein anderer
– in Zeichnungen, Karikaturen und
Gedichten. Selbst der Papst ist fasziniert
von der Schaffenskraft des 71-Jährigen.
Von Hilmar Pfister
WIERNSHEIM. Das Paket kommt immer direkt
aus Wiernsheim. Dort, im Enzkreis,
wohnt Roger Roitenstern, und von dort verschickt
er seine Kunstwerke an die wichtigen
Menschen dieser Welt. Königin Silvia
von Schweden hat eines erhalten, ebenso
der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan,
die deutsche Kanzlerin Angela Merkel
und eben der Papst. Und alle haben sie geantwortet.
„Die Brezel, dieses typische süddeutsche
Laugengebäck, ist ein besonderes
Lieblingsthema ihrer schöpferischen Arbeit“,
schrieb Merkel und bedankte sich
freundlich für das Kunstwerk. Roitenstern
hatte ihr ein Bild der „Schwäbischen Metamorphose“
geschenkt, auf der die Verwandlung
einer Brezel zu einem Mercedesstern
zu sehen ist. Ein anderer hochrangiger Politiker,
damals noch in Amt und Würden,
hatte ein Antwortschreiben verweigert.
Sein Name: George W. Bush. „Vielleicht hat
er es aufgehängt“, sagt Roitenstern.
Vielleicht müsste Mister Bush aber auch
die Entstehungsgeschichte des Bildes kennen,
um es besser zu würdigen. Alles begann
mit einem Spaziergang auf der Stuttgarter
Königstraße vor etwa 17 Jahren. Roitenstern
schlenderte auf den Hauptbahnhof zu,
und in seinen Blick gerieten der Mercedes-
Stern auf dem Bahnhofsturm und ein Verkaufsstand
mit Brezeln. „In diesem Moment
war ich ästhetisch inspiriert“, sagt er.
Zu Hause nahm Roitenstern seinen Zeichenstift
und entwarf ein künstlerisches
Leitmotiv, das ihn seither nicht mehr loslässt:
die Verwandlung der Brezel. In diesem
Fall mutierte das Laugengebäck zum Markenzeichen
eines Autoherstellers. Doch es
kann auch anders. Zum Beispiel sich als
„Schmeckerling“ darstellen, in der Form eines
Schmetterlings. Oder als Pferd, auf dem
ein Cowboy reitet. „Ich habe das Paradies
entdeckt“, sagt Roitenstern und meint damit
den künstlerischen Bereich. Denn mit
Karikaturen und Zeichnungen beschäftigt
sich der 71-Jährige schon lange. Hunderte
hat er entworfen, privat, für Firmen, Organisationen
und Freunde. Wenn es sein muss,
wird Roitenstern zum kreativen Arbeitstier.
Dann produziert er 130 Bilder in drei Tagen
und geht nachts nicht vor 3 Uhr ins Bett.
Und das mit 71 Jahren. Doch nichts hat ihn
so inspiriert und angetriebenwie die schwäbische
Brezel. „Ich bin der Bäcker mit dem
Zeichenstift“, sagt er mittlerweile über sich.
Und das, obwohl Roitenstern eigentlich
gar nicht von hier kommt. Aufgewachsen ist
er in einem kleinen Dorf in der französischen
Normandie, später studierte er in Paris,
arbeitete als Gitarrenlehrer undkamAnfang
der achtziger Jahre schließlich nach Paderborn.
Dort unterrichtete er an einer Musikschule,
dann ging es nach Heilbronn,
Waiblingen, seit 15 Jahren lebt er in Wiernsheim.
Auch dort hat er schon
seine Spuren hinterlassen. Auf
dem Marktplatz steht das Sonnentor,
eine Bronzeskulptur in
der Form einer Brezel. An deren
Rundungen steckt ein kleiner
Fußball. Und das nicht von ungefähr.
Die Vorlage für das Kunstwerk
stammt direkt aus dem
Stuttgarter Stadtteil Botnang,
aus einer Bäckerei namens Klinsmann, dem
elterlichen Betrieb des ehemaligen Fußball-
Nationaltrainers Jürgen Klinsmann. Doch
warum gerade diese Brezel? „Sie sah aus
wie ein Fußball“, sagt Roitenstern.
Zum Ende dieses Artikels muss nun noch
die Frage aller Fragen beantwortet werden:
Was ist oben, was unten bei einer Brezel?
„Für meine Arbeit spielt das keine Rolle“,
sagt er, nimmt sich eine und zieht sie an den
Ärmchen auseinander. „Sehen Sie, jetzt
kann ich sie neu zusammensetzen.“

Zum Thema Brezel habe ich recherchiert,
die Recherche hat mich nach Urach geführt.
In einer uralten Sage kann man über
die Brezel lesen, ihr Erfinder wäre ein Uracher
Bäcker gewesen.
Margot Rosenberger, Stuttgart
Das „Knusprige Geflecht“ ist definitiv
oben, allein schon aus Gründen der Schwerkraft.
Wenn die Brezel einem außerdem
fröhlich zulachen würde, als Verstärkung
des Essgelüstes nach ihr, kann sie das auch
nur mit dem „volllippigen Lachmund“ in
der richtigen Position.
Carmen Eil, Stuttgart
Wenn’s a Budderbrezl isch, ond mr beißt
nei, no isch dr Bauch oba. Weil mr beißt emmer
z’erscht en dr g’schmierde Deil nei ond
no erscht en d’Ärmla. Wenn mr se ufhengt
no an de Ärmla, jetzt suachat’s euch raus.
Helmut Schalk, Stuttgart
(Internetforum StN online)
Keine Frage, der Bauch der Brezel ist unten!
Folgende Verzehrvariante lässt auch
gar nichts anderes zu:Wenn die Brezel mit
Butter bestrichen werden soll, liegt sie zum
Aufschneiden notwendigerweise mit dem
Bauch zum „Brezelschmierer“.Mit dem
Bauch nach unten wird die Brezel dann –
oft genug – mit weiteren Exemplaren, fächerartig
aufgereiht, auf einem Tablett serviert,
von dort so weggenommen und auch
genossen: eben vom Bauch her!
Erhard Poglitsch, Fellbach
(Internetforum StN online)
Unten ist der Teil, der beim Backen auf
dem Backblech liegt. Ansonsten ist die
Form durch Merkmale wie Bauch und Ärmchen
hinreichend beschrieben. Die Brezel
kann dann jeder so vor sich hin legen, wie
er will. Die Diskussion, ob Bauch oder
Ärmchen oben sind, ist ebenso fruchtlos
wie die, ob man sein Frühstücksei an der
spitzen oder der stumpfen Seite aufschlagen
soll.
Uwe Bröhm, Sulzbach
(Internetforum StN online)
Wenn man die Brezel optisch betrachtet
und sie einen Fuß hätte, wäre natürlich der
dickere Teil hiervon unten. Außerdem
würde ich es als total verkehrt ansehen,
wenn es anders wäre! Logisch!
Ursula Ray, Stuttgart
(Internetforum StN online)
Die Ärmchen sind oben. Der Bäckergeselle,
der die Brezel erfunden hat, hat die Bäckerfrau
mit verschränkten Armen stehen sehen.
Sie hat die Arme oben und den Bauch
unten. Er sollte ja ein Gebäck erfinden,
durch das dreimal die Sonne scheint! Das
hat ihn vor der Bestrafung seines Herrn gerettet.
Die Geschichte habe ich in Bad
Urach erfahren.
Christa Ley, Stuttgart
(Internetforum StN online)